Wenige Tage später begann die fehlgeleitete Friedenskonferenz. Als Zeichen der Anerkennung luden die empyrianischen Gebieter die Drachengebieter ein, den Turm der Ewigkeit für die Verhandlungen zu betreten. Das Ätherfeld wurde gesenkt, um ihnen Zutritt zu gewähren. Während jenes kurzen Augenblicks, als das Feld deaktiviert war, kam die Zeit beinahe zum Stillstand; für mich verrann ein ganzes Leben in nur wenigen Minuten.
Ich sah den Argwohn und den Zorn meiner Legionäre, als die Balaur den Turm betraten. Wie konnten unsere Gebieter ihre Überzeugungen über Bord werfen und mit diesen Bestien, die uns selbst jetzt noch zu ihren Füßen sehen wollten, verhandeln? Ich wandte mich meinem zuverlässigsten Zenturio zu und wollte gerade das Wort an ihn richten, als sich urplötzlich alles änderte. Die Menge schrie und rannte bestürzt und verwirrt herum. Einer der Balaur lag am Boden, und Lord Azphel stand in Kampfpose mit leuchtenden Augen über ihm.
Die Balaur griffen an. Wir flehten Siel und Israphel an, das Ätherfeld wieder zu aktivieren, doch einmal mehr versagten sie. Vom Tumult überwältigt und verwirrt waren sie nicht dazu in der Lage, den Turm gemeinsam zu verteidigen. Unter dem Ansturm der Klauen und Waffen der Balaur zersplitterte und zerbrach der Turm.
Der Anblick Israphels, dem die Schuld ins Gesicht geschrieben stand, als er Lord Azphel und seine Daeva-Legionen nach Norden beorderte, während Siel Ariel und ihre Truppen nach Süden führte, hat sich mir ins Gedächtnis gebrannt. Uns blieb nur eine Hoffnung: Ihre Aufspaltung in zwei Gruppen - eine an jeder Seite des Turms - war der Versuch der empyrianischen Gebieter, alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um den Einsturz des Turmes zu verhindern.
Mit stählernem Geist und eisernem Willen konnten wir uns halten. Den Truppen im Süden war dieses Glück nicht beschieden.
Unsere Welt wurde in Dunkelheit gestürzt, als das Licht des Turms zum Erlöschen kam. Schreiend rannten die Leute in alle Richtungen davon.
Ich kann mich noch daran erinnern, als wäre es gestern gewesen. Ich weiß noch, wie ich nach oben blickte und Teile des Turmes abbröckeln und nach unten fallen sah, nur vom flackernden Licht des majestätischen Gebäudes beleuchtet. Ich stand wie angewurzelt da, als sich ein riesiges Bruchstück aus dem Turm löste und auf mich zustürzte. Ich erinnere mich noch gut an diesen Tag. Es war der Tag, an dem ich das andere Geschenk fand, das die Existenz als Daeva mit sich bringt: Unsterblichkeit.
Als ich wieder zu mir kam und mich in unserer einst großartigen Welt umsah, fand ich Atreia in zwei Hälften zerbrochen vor. Die untere Hälfte erstrahlte in grellem, leuchtendem Licht. Unsere Hälfte war in kalte, trostlose Finsternis getaucht.
Die Friedenskonferenz war zu Ende.


